Gustavo Espinosa (UK)
Fotografie „The Four Primary Elements"
ausgestellt werden 16 Fotografien
Kuratoren Statement
Der 1944 in Cali, Kolumbien, geborene und seit 30 Jahren in England lebende Fotograf Gustavo Espinosa befaßt sich in seiner Serie „The Four Primary Elements“ („Die Vier Grundelemente“) mit den philosophischen und kulturellen Grundlagen einer „Lehre der Urstoffe und Energien“.Die Vorstellung, dass alle Stoffe nur verschiedene Aspekte eines oder mehrerer Urstoffe seien, geht auf die Vorsokratiker Thales von Milet (624–546 v. Chr.), Anaximenes (585–525 v. Chr.) und Heraklit (ca. 540–475 v. Chr.) zurück, die nicht nur unterschiedliche Urstoffe benannten, sondern diesen auch unterschiedliche kosmische Eigenschaften zusprachen.
Es war der griechische Naturphilosoph Empedokles, der im 5. Jahrhundert v. Chr. die Vier-Elemente-Lehre (Erde, Wasser, Luft und Feuer) hieraus entwickelte. Die Vorgänger von Empedokles haben den vier Elementen nur Eigenarten zugeschrieben, die wir heute den Aggregatzuständen zuordnen. Ein Beispiel dafür ist die Verflüssigung eines Gases durch Druck bei Anaximenes. Auch dass feste Stoffe bereits bei Empedokles’ Vorgängern dem Element Erde zugeordnet werden, flüssige dem Wasser und gasförmige der Luft, entspricht dem heutigen Konzept der Aggregatzustände.
Die Vier-Elemente-Lehre wurde von späteren griechischen Philosophen weiterentwickelt. Platon (ca. 428-347 v. Chr.) ordnete jedem der vier Elemente sowie dem Äther je einen regelmäßigen Körper zu. Aristoteles (384–322 v. Chr.) wiederum gab den vier Elementen die Eigenschaften warm/kalt und trocken/feucht und bezeichnete den Äther als den anderen vier Elementen zugrunde liegende Quintessenz. Die Stoiker entwickelten die Lehre weiter indem sie das Pneuma einführten.
Dementsprechend wurden Luft und Feuer als aktive pneumaartige Elemente und Erde und Wasser als passive Elemente angesehen. Pneuma erfüllte viele Funktionen, die Aristoteles dem Äther zuordnete. Diese Theorie wurde in dieser Form in Europa über das Mittelalter erhalten und blieb in der Medizin bis zur Aufklärung die bestimmende Grundlage. In der Alchemie des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit spielen die vier Elemente und die Quintessenz als fünftes Element eine wesentliche Rolle.
Die Vier-Elemente-Lehre war bis ins 17. Jahrhundert hinein bestimmend für die Chemie, die bis dahin Alchemie genannt wurde. Erst Robert Boyle (1626 – 1691) leitete eine Entwicklung ein, die zum heutigen Elementbegriff im Periodensystem der Elemente führte. Als Elemente sind diejenigen Stoffe definiert, „die sich mit chemischen Methoden nicht weiter in andere Stoffe zerlegen lassen“. Auf Boyle geht auch die Trennung der Begriffe Alchemie und Chemie zurück.
Gustavo Espinosa reflektiert in seinen Arbeiten nicht nur diesen Entwicklungshintergrund, sondern auch die Tatsache, dass den vier Elementen immer auch Körper, Eigenschaften, Kräfte, Tierkreiszeichen, Elementarwesen und Himmelsrichtungen zugeordnet waren.
Allerdings bildet Espinosa diese Qualitäten nicht linear ab, sondern entwickelt durch seine Methode der „konstruierten Fotografie“ eigenständige, farblich und strukturell komplexe Bild- und Imaginationsräume, deren Grundlage immer fotografierte Details seiner Lebensumgebung sind.
Letztlich sieht Espinosa als Antwort auf die Frage nach dem Umgang mit Energie und Energieeffizienz – beinahe im Sinne des Films „Das Fünfte Element“ – das „Element des Menschlichen“ als Schlüsselelement einer zukunftsgerichteten Technologie, die das „konzeptionelle Denken“ der Luft, die „Praktikabilität“ der Erde, die „Kreativität“ des Feuers und die „Kontemplation“ des Wassers in sich trägt.
Kuratoren der ersten Cool Silicon Art Award Ausstellung 2011 sind Andrea Hilger und Dr. Martin Müller, Leiter der OSTRALE - internationale Ausstellung zeitgenössischer Künste Dresden.
Vita
Gustavo Espinosa wurde 1944 in Cali, Kolumbien geboren. Seit 1971 lebt er in Großbritannien.2011 The Intensity of Loss / 2010 Veröffentlichung des Buches „The Construction of Meaning” (The use of early writing in graphic design) / 2009 Einladung zur Ostrale 09 - Internationale Ausstellung zeitgenössischer Künste, Dresden, Deutschland / 2008 ”The Search of Meaning”, Ausstellung, The Derby Museum, Großbritannien / 2007 The Four Primary Elements / 2005 Virtual Portraits / 2004 Isolation / 2002 Type / 2001 Publikation im Magazin Novum „Awareness of Dyslexia“, zusammen mit Dr. Martin Müller / 1999 Mitarbeit an dem Buch ”Internationes” / 1996 „Surface Emotion“, Ausstellung in der Mediathek Ceccano, Avignon, Frankreich / 1995 „The Face Becomes the Mask“, Einzelausstellung, Plakat Museum (Jetzt Pan Forum), Emmerich, Deutschland / 1993 Regionale Kommission für das 2. Derby Photography Festival “Beyond the Portrait” / 1992 Einzelausstellung “The Mask Always Changes”, Brewhouse Gallery, Burton-upon-Trent, Großbritannien / 1991 Gemeinsame Ausstellung mit Wolfgang Janisch bei The Gordon Snelgrove, University of Saskatchewan, Kanada / 1989 20. Jahrestag des Plakat Museums (jetzt Pan Forum), Emmerich, Deutschland / 1988 Gemeinsames Projekt mit dem verstorbenen Paul.P.Piech, Poster Museum (jetzt Pan Forum), Emmerich, Deutschland / 1987 11th International Poster Biennale, Warschau, Polen / 1986 Gruppensaustellung „Aspects of Contemporary Still Life Photography in the UK“, Untitled Gallery, Sheffield, Großbritannien / 1985 Einzelausstellung „Power Must Not Crush“, Midland Group Gallery, Nottingham, Großbritannien / 1984 Gruppenausstellung in der The Open Eye Gallery, Liverpool, Großbritannien / 1983 Einzelausstellung “Social Change“, Camera Work, London / 1982 Mitgründer der Community Photography, Derby, Großbritannien / 1971 Englandbesuch und Tätigkeit für verschiedene Fotostudios in London / 1970 Panamerikanische Ausstellung für Grafik-Design, Museo La Tertulia, Cali, Kolumbien.


